"It does not matter how slow you go so long as you do not stop."

13th August 2010

Foto

So, jetzt kann ich ja erzählen, welches “konspirative” Treffen ich zum Abschluss der Bikertour noch hatte. Es ist die die Soldatenfrau Leaf, deren Mann sich seit ein paar Wochen im Afghanistaneinsatz mit der Bundeswehr befindet. Mit ihr habe ich mich heute noch getroffen. War eigentlich nicht geplant. Seit der Abreise ihres Mannes schreibt Leaf eine Art Live-Tagebuch in meinem Blog www.afghanistan-blog.de, während ihr Mann im Einsatz ist. Leaf hatte mich vor einiger Zeit angemailt und schrieb mir, dass sie das AFG-Blog zu schätzen wisse und bat mich, damit weiter zu machen - auch würde sie dabei gerne mithelfen. Also machte ich ihr das Angebot, dieses Tagebuch zu schreiben. Schreiben macht einen klaren Kopf - das kenne ich selber - so könne sie vielleicht die langen Monate des Einsatzes ihes Mannes besser überstehen und sie helfe damit vielleicht auch anderen Angehörigen, die ähnliche Gedanken und Ängste haben. Das Problem war nur: ich kannte Leaf nicht persönlich, wir hatten nie miteinander telefoniert. Da waren sich zwei Menschen im Netz begenet, die beide nicht wussten, ob der andere auch der ist, für den er sich ausgibt. Anyway…lange Rede gar kein Sinn: jetzt weiß ich, dass sie sie ist und sie weiß, dass ich ich bin. So einfach ist das. Nicht, dass ich mir noch vorhalten lassen muss, ich täte mir dieses Tagebuch selber aus den Fingern saugen…oder ich wäre einem Schlapphut aufgessen ;-)
Einige Stunden haben wir uns unterhalten und ich muss sagen: Leaf ist eine starke Frau, die das erste mal einen Einsatz “mitmacht”, während das für ihr Herzblatt nicht der erste ist. Sie und ihr Mann hatten sich geschworen, nicht zu weinen. An einem der Abschiedstage verschwand ihr Mann während einer Standortfeier in seinem Dienstzimmer und Tränen liefen aus seinen Augen. Dieses Schilderung sehr ergreifend. Leaf hatte mir gestattet, diese Szene hier zu beschreiben. Später offenbarte er sich ihr und gestand seiner Frau ein, dass er Angst habe…
Das Treffen mit Leaf war das I-Tüpfelchen meiner viertägigen Bikertour durch drei Bundesländer. Ich war in Rheinland-Pfalz, Hessen und Bayern unterwegs. Knapp 800 Kilometer bin ich mit dem Motorrad gefahren und ich war skeptisch, was dieses Projekt angeht. Dem Volk aufs maul geschaut… ja…es war teilweise ernüchternd, es war aber auch überraschend, es machte nachdenklich…es war richtig, es zu tun. Selber mit den Menschen reden, die sonst niemand fragt, die nicht in der sicherheitspolitischen Onlinewelt daheim sind oder dort mitreden. Meine Gesprächsergebnisse (hoffentlich) nicht repräsentativ. Ich habe selber erlebt wie desinteressiert die Gesellschaft sein kann. Und mit einigem Einsatzabstand hat mir die Kälte mancher Menschen ein Gänsehaut bereitet.
In den nächsten Tagen werde ich auf afghanistan-blog.de die komplette Reportage dieser spontanen Rundreise hochladen. Auf den traumhaften kurvenreichen Fahrten durch die Eifel und die Rhön - die durchaus etwas meditatives hatten, bekommt man nämlich Gedanken, die man sich sonst so nicht macht…
Eben erhielt ich Leafs Tagebucheintrag von heute. Hier schon mal ein Vorgeschmack. Den rest dann auch im AFG-Blog…Danke Leaf…
 Ich eiere also in einer wildfremden Stadt herum und suche ein Café. Mein Navi leitet mich zwar schon sehr gut, nur irgendwie ist da, wo es meint, das Ziel sei erreicht, nichts, außer ein Parkplatz und viele Bäume. Ich wunderte mich doch schon sehr, aber ich bin ja kein Navi. Also hab ich ihm vertraut und das Auto geparkt. (Parken nur mit Anwohnerausweis… toll, das fehlte mir dann auch noch!) Ich lief um ein großes Gebäude herum und entdeckte das Café, welches ich gesucht hatte. Naja sooo falsch lag das Navi nicht. Im Café wartete Boris Barschow auf mich. Er wollte mich kennenlernen, hätte ja genauso gut sein können, dass ich überhaupt nicht existiere, eine Fiktion meiner selbst. Man weiß ja nie, wer so durchs Internet geistert und irgendwelche Persönlichkeiten vorgibt, die dieser zu sein scheint. Recht hat er, wer weiß, welch böser Bube hinter meiner „Fassade“ steckt? Natürlich steckt kein Bube dahinter, sondern ich, Leaf, Strohwitwe oder wie man das nennen mag. (…)

Kannte diesen Mann genauso wenig wie er mich, wusste nicht, worauf ich mich einlasse, wer im Endeffekt nun tatsächlich dort im Café auf mich wartet, ob mir diese Person auch im realen Leben sympathisch ist und ich mich dieser offenbaren werde. Ich habe ja quasi meine Maske abgenommen… Aber ich denke es war ein wichtiger Schritt für uns Bbide und ich werde mich gerne wieder mit ihm treffen. Danke Boris!

So, jetzt kann ich ja erzählen, welches “konspirative” Treffen ich zum Abschluss der Bikertour noch hatte. Es ist die die Soldatenfrau Leaf, deren Mann sich seit ein paar Wochen im Afghanistaneinsatz mit der Bundeswehr befindet. Mit ihr habe ich mich heute noch getroffen. War eigentlich nicht geplant. Seit der Abreise ihres Mannes schreibt Leaf eine Art Live-Tagebuch in meinem Blog www.afghanistan-blog.de, während ihr Mann im Einsatz ist. Leaf hatte mich vor einiger Zeit angemailt und schrieb mir, dass sie das AFG-Blog zu schätzen wisse und bat mich, damit weiter zu machen - auch würde sie dabei gerne mithelfen. Also machte ich ihr das Angebot, dieses Tagebuch zu schreiben. Schreiben macht einen klaren Kopf - das kenne ich selber - so könne sie vielleicht die langen Monate des Einsatzes ihes Mannes besser überstehen und sie helfe damit vielleicht auch anderen Angehörigen, die ähnliche Gedanken und Ängste haben. Das Problem war nur: ich kannte Leaf nicht persönlich, wir hatten nie miteinander telefoniert. Da waren sich zwei Menschen im Netz begenet, die beide nicht wussten, ob der andere auch der ist, für den er sich ausgibt. Anyway…lange Rede gar kein Sinn: jetzt weiß ich, dass sie sie ist und sie weiß, dass ich ich bin. So einfach ist das. Nicht, dass ich mir noch vorhalten lassen muss, ich täte mir dieses Tagebuch selber aus den Fingern saugen…oder ich wäre einem Schlapphut aufgessen ;-)

Einige Stunden haben wir uns unterhalten und ich muss sagen: Leaf ist eine starke Frau, die das erste mal einen Einsatz “mitmacht”, während das für ihr Herzblatt nicht der erste ist. Sie und ihr Mann hatten sich geschworen, nicht zu weinen. An einem der Abschiedstage verschwand ihr Mann während einer Standortfeier in seinem Dienstzimmer und Tränen liefen aus seinen Augen. Dieses Schilderung sehr ergreifend. Leaf hatte mir gestattet, diese Szene hier zu beschreiben. Später offenbarte er sich ihr und gestand seiner Frau ein, dass er Angst habe…

Das Treffen mit Leaf war das I-Tüpfelchen meiner viertägigen Bikertour durch drei Bundesländer. Ich war in Rheinland-Pfalz, Hessen und Bayern unterwegs. Knapp 800 Kilometer bin ich mit dem Motorrad gefahren und ich war skeptisch, was dieses Projekt angeht. Dem Volk aufs maul geschaut… ja…es war teilweise ernüchternd, es war aber auch überraschend, es machte nachdenklich…es war richtig, es zu tun. Selber mit den Menschen reden, die sonst niemand fragt, die nicht in der sicherheitspolitischen Onlinewelt daheim sind oder dort mitreden. Meine Gesprächsergebnisse (hoffentlich) nicht repräsentativ. Ich habe selber erlebt wie desinteressiert die Gesellschaft sein kann. Und mit einigem Einsatzabstand hat mir die Kälte mancher Menschen ein Gänsehaut bereitet.

In den nächsten Tagen werde ich auf afghanistan-blog.de die komplette Reportage dieser spontanen Rundreise hochladen. Auf den traumhaften kurvenreichen Fahrten durch die Eifel und die Rhön - die durchaus etwas meditatives hatten, bekommt man nämlich Gedanken, die man sich sonst so nicht macht…

Eben erhielt ich Leafs Tagebucheintrag von heute. Hier schon mal ein Vorgeschmack. Den rest dann auch im AFG-Blog…Danke Leaf…

Ich eiere also in einer wildfremden Stadt herum und suche ein Café. Mein Navi leitet mich zwar schon sehr gut, nur irgendwie ist da, wo es meint, das Ziel sei erreicht, nichts, außer ein Parkplatz und viele Bäume. Ich wunderte mich doch schon sehr, aber ich bin ja kein Navi. Also hab ich ihm vertraut und das Auto geparkt. (Parken nur mit Anwohnerausweis… toll, das fehlte mir dann auch noch!) Ich lief um ein großes Gebäude herum und entdeckte das Café, welches ich gesucht hatte. Naja sooo falsch lag das Navi nicht. Im Café wartete Boris Barschow auf mich. Er wollte mich kennenlernen, hätte ja genauso gut sein können, dass ich überhaupt nicht existiere, eine Fiktion meiner selbst. Man weiß ja nie, wer so durchs Internet geistert und irgendwelche Persönlichkeiten vorgibt, die dieser zu sein scheint. Recht hat er, wer weiß, welch böser Bube hinter meiner „Fassade“ steckt? Natürlich steckt kein Bube dahinter, sondern ich, Leaf, Strohwitwe oder wie man das nennen mag. (…)

Kannte diesen Mann genauso wenig wie er mich, wusste nicht, worauf ich mich einlasse, wer im Endeffekt nun tatsächlich dort im Café auf mich wartet, ob mir diese Person auch im realen Leben sympathisch ist und ich mich dieser offenbaren werde. Ich habe ja quasi meine Maske abgenommen… Aber ich denke es war ein wichtiger Schritt für uns Bbide und ich werde mich gerne wieder mit ihm treffen. Danke Boris!


Getaggt: BundeswehrAfghanistanTagebuchLeaf